"Working on usability means that you usually are more occupied with what's not working than things that actually work quite well. So sometimes you need to lighten up."(Don Norman)
'Verkaufen' Sie die von Ihnen gefundenen Usability-Probleme an Ihren Auftraggeber. Bedenken Sie, dass auch ein Usability-Bericht 'usable' sein muss.
In Ihrem Bericht präsentieren Sie Ihre Evaluationsergebnisse und machen Ihre Vorgehensweise und Quellen transparent. Dadurch ermöglichen Sie es dem Auftraggeber nachzuvollziehen, ob und inwiefern Ihre Ergebnisse gültig sind. Sie zeigen sich mit Ihrer Kompetenz gegenüber Ihrem Auftraggeber, indem Sie Ihre Ergebnisse gewichten und konstruktiv formulierte Empfehlungen zur Verbesserung seines Produkts geben.
Von Bibliotheks- und Informationsmanagern wird ein professioneller Umgang mit Texten erwartet. Bitte zeigen Sie Ihrem Auftraggeber, dass Sie die deutsche Orthographie und Grammatik beherrschen. Sorgen Sie für die Lesbarkeit Ihres Textes durch eine hilfreiche Gliederung, ein unterstützendes Layout und klar strukturierte Sätze. Verwenden Sie kein seminarinternes Fachchinesisch; Ihr Auftraggeber wird wissen, was 'Navigation' ist, wird sich aber z.B. unter dem 'Persona-Konzept' nichts vorstellen können.
Viele Ihrer Auftraggeber haben wenig Zeit. Legen Sie deshalb Ihrem Bericht das Prinzip der invertierten Pyramide zugrunde: Erst kommt die Zusammenfassung, dann die Einzelheiten, davon erst die hochrelevanten, dann die mit geringerem Gewicht. Kennzeichnen Sie sehr ernste Probleme deutlich. Beachten Sie, dass der Zweck eines Usability-Berichts eine Verbesserung der Website ist - und nicht, einen möglichst umfangreichen Bericht zu schreiben. Die Qualität eines Usability-Berichts wächst nicht proportional zu seiner Länge.
Usability-Berichte können sehr unterschiedlich aussehen. In der Praxis werden Sie Ihren eigenen Weg finden, Ihren Bericht zu gestalten.
Dieser Teil soll nicht viel länger als 1 Seite sein; Ihr Auftraggeber will in erster Linie Ergebnisse sehen. Wenn Sie Ihre Beschreibung und Begründung einer Quelle entnehmen, geben Sie sie bitte an.
Manche Leser Ihres Berichts arbeiten in Führungspositionen und sind nicht mit der Programmierung von Ihren Änderungsvorschlägen beschäftigt. Sie wollen wissen, ob ihre Website okay ist oder ob Zeit und Personal für größere Änderungen eingeplant werden müssen. Sie wollen keine Zeit in die Details Ihres Berichts investieren.
Erwähnen Sie deshalb ganz zu Anfang, ob die untersuchte Website insgesamt so bleiben kann oder ob größere bzw. viele Änderungen notwendig sind. Fassen Sie Ihre wesentlichen Ergebnisse für den eiligen Leser zusammen. Geben Sie Ihrer Zusammenfassung ein hilfreiches Layout. Die Zusammenfassung sollte nicht mehr als 2 Seiten umfassen:
Heben Sie zunächst Ihre positiven Ergebnisse und die wesentlichen positiven Reaktionen Ihrer Testpersonen hervor. Falls Sie 1-2 typische positive Aussagen Ihrer Testpersonen haben, zitieren Sie sie hier. Das sollte nicht mehr als 1 Seite umfassen.
Beschreiben Sie dann die wesentlichen Usability-Probleme. Nennen Sie die Bereiche, die überarbeitet werden müssen und geben Sie eine Einschätzung darüber ab, ob die Nachbesserung aufwändig oder kosmetischer Natur sein wird.
Hier dokumentieren Sie Ihre Ergebnisse en détail.
... beginnt mit einem Satz wie z.B. "Wir haben Ihre Website nach bewährten Usability-Kriterien untersucht. Wir schildern die wesentlichen Usability Probleme und bieten Ihnen Verbesserungsvorschläge dazu an."
Präsentieren Sie Ihre Befunde und Empfehlungen tabellarisch. Gliedern Sie Ihre Tabelle nach den Aspekten Ihres Kriterienkatalogs in allgemein verständlicher Terminologie. Sie können sich an den unten verlinkten Beispielen orientieren, indem Sie sie sinnvoll Ihrem Auftrag und Ihren Kriterien anpassen. Versehen Sie jedes aufgetretene Problem mit einer Gewichtung.
Geben Sie Ihre Prognosen für Ihre Usability-Tests wieder, die Sie auf Grund Ihrer Cognitive Walkthroughs machen konnten. Führen Sie in einem Anhang die Arbeitsbögen Ihrer Walkthroughs an. Machen Sie auf Bereich aufmerksam, die besonders gut zu prognostizieren waren und ermutigen Sie Ihren Auftraggeber, solche Walkthroughs selbst durchzuführen - mit Hinweis auf use: Cognitive Walkthrough.
Geben Sie solche Testergebnisse wieder,
Sie können ähnlich wie bei der heuristischen Evaluation eine tabellarische Form verwenden. Führen Sie Ihre Befunde in der Reihenfolge Ihrer Gewichtigung des Problems auf. Ihr Bericht gewinnt an Anschaulichkeit und Lebendigkeit, wenn Sie einige typische Kommentare der Testpersonen einfließen lassen. Nennen Sie die Anzahl der Testpersonen, die das berichtete Problem hatten.
Suchen Sie 3-4 zentrale Szenen aus Ihren Test-Mitschnitten aus und fügen Sie sie Ihrem Bericht als Datei auf einer DVD bei.
Dieser Teil des Gesamtberichts braucht nicht mit den Usability-Teams gemeinsam erarbeitet zu werden. Weisen Sie kurz auf die BITV hin und in 1-2 Sätzen auf ihre zentrale Aussage. So wecken Sie - falls nötig - ein Problembewusstsein.
Dann folgen Ihre Ergebnisse und Empfehlungen. Empfehlen Sie zum Schluss die Tools, die Sie verwendet haben mit ihrem URL und dem URL zu den BITV-Richtlinien.
Geben Sie möglichst zu jedem gefunden Usability-Problem eine Empfehlung, wie es behoben werden kann. Manche Empfehlungen sind so kurz und evident, dass Sie sie in eine Spalte Ihrer Tabellen aufführen können. Bei komplexeren Empfehlungen hilft es Ihrem Auftraggeber nur dann, wenn Sie Ihre Überlegungen anhand von Grafiken (z.B. Mockup Screens unter Powerpoint) veranschaulichen: Wie könnte eine gebrauchtaugliche Alternative zu den monierten Usability-Problemen aussehen?
Verzeichnen Sie hier mindestens die Usability-Website für das Modul und ggfl. weitere Quellen, die Sie zitieren oder auf die Sie den Auftraggeber aufmerksam machen möchten.
Der nachstehende Aufsatz enthält in Abschnitt 11.6 (Recommendations) Hinweise, wie man Berichte über Usability Probleme so schreibt, dass man von Softwareentwicklern gehört und verstanden wird:
Robin Jeffries: Usability Problem Reports - Helping Evaluators Communicate Effectively with Developers. In: Usability Inspection Methods. Ed. Jakob Nielsen et al. New York u.a.: Wiley, 1994, Abschnitt 11.6 (Signatur: 50.1687, Handapparat 'Web Usability')
Hier ist eine sehr knappe, übersetzte Zusammenfassung dieses Kapitels:
Muster-Reports
Sind Form, Stil und Inhalt des Berichts geeignet, an einen externen Auftraggeber weiter gegeben zu werden? Ist der Bericht selbst 'usable'?
formale Kriterien
inhaltliche Kriterien
[Update: 01. Februar 2009 - Prof. Ursula Schulz, HAW Hamburg, Department Information]