Kriterien für die Rollen von Autor und Besucher
Als Web-Autor nehmen Sie zwangsläufig eine Rolle ein (z.B. Animateur, Berater, Verkäufer, Witzbold), und Sie weisen Ihren Besuchern eine Rolle zu.
Wenn sich Ihre Besucher in der ihnen zugewiesenen Rolle nicht wohlfühlen, werden Sie Ihre Website verlassen und nicht wieder kommen. Attraktive Besucher-Rollen haben mit guter Zielgruppenanalyse und realistischen Szenarien für die Nutzung Ihrer Website zu tun. Das Rollen-Design sollte vor Beginn des Designs der Website abgeschlossen und für alle Beteiligten Konsens sein.
Die hier aufgeführten Kriterien wurden zum größten Teil aus folgender Quelle übernommen, frei übersetzt und ergänzt: Mary B. Coney and Michael Steehouder: Quicklist for Designing Personas: "Role Playing on the Web: Guidelines for Designing and Evaluating Personas Online" In: Technical Communication (2000), Vol. 47, No. 3 (Sonderheft)
Wesentliche Konzepte
- Autorenrolle:
- Die Rolle, die der Autor der Website einnimmt; die Person, die durch den Webdesigner in Szene gesetzt wird
- Besucherrolle:
- Die Rolle, die die Website für den Besucher vorsieht; die Rolle, die der tatsächliche Besucher spielen soll, wenn er/sie mit der Website kommuniziert
- Beziehung:
- Die Beziehung zwischen der Autorenrolle und der Besucherrolle; Distanz und Hierarchie spielen eine Rolle
- Abwertung:
- Äußerungen, die das Bedürfnis des Besuchers nach Kontrolle über seine Aktionen sowie sein Bedürfnis nach Respekt für seine Wünsche und Werte abwerten
Kriterien
1 Design für glaubwürdige und einladende Rollen
1.1 Wie wollen Sie als Autor wahrgenommen werden?
- Soll der Autor anonym bleiben oder identifizierbar sein?
- Welche Werte der Organisation sollten besonders hervorgehoben werden?
- Wie deutlich sollten diese Werte präsentiert werden?
- Sollte die Autorenrolle eine starke Präsenz haben?
- Sollten Nebeneffekte verwendet werden, um die Autorenrolle zu unterstreichen, z.B. besondere ästhetische Effekte?
1.2 Sehen Sie sich die Autorenrolle an.
- Welche Rolle nimmt der Autor ein?
- Dienstleister?
- Animateur?
- Lehrender?
- Belehrender?
- Lockvogel / Promotor?
- Innovativer Technikfreak?
- präsentations- und imageorienierter Designer?
- Selbstdarsteller?
- 'Fachmann'?
- Ansprechpartner / Berater?
- Verkäufer?
- Kontrolleur?
- Durch welche Mittel wird die Rolle bewerkstelligt?
- Farbgebung? (kalte Farben, z.B. blau/weiß: distanziert; Schrille, sich beißende Farben: provozierend)
- Sprache? (Form der Anrede, Empathie, Fragestil, Insiderstil, protzig, jovial/freundlich-anbiedernd, kommandierend, sachlich ...)
- Interaktivität (Wer hat die Kontrolle?)
- Struktur?
- Aussage der Bilder?
- Internationalität (z.B. durch Mehrsprachigkeit, Berücksichtigung mehrerer Kulturen)?
- Formgebung (z.B. Schriftart und andere Formen)?
- Orthographie und Grammatik?
- Feedback-Möglichkeit?
- Timeouts, die den Anwender unter Zeitdruck setzen?
2 Design für attraktive Besucherrollen
2.1 Definieren Sie die Rolle Ihres Besuchers.
- Welche Rolle soll der Besucher annehmen?
- der Zielorientierte?
- der Unterhaltungsorientierte mit viel Zeit?
- der Lernorientierte?
- der Neugierige / Spielerische?
- der Technikfreak?
- der Insider / Laie/neue Besucher?
- Was für Ziele soll der Besucher haben?
- Wie soll der Besucher geführt werden?
2.2 Sehen Sie sich die Werte an, die dem Besucher zugeschrieben werden.
- Sollten diese Werte direkt oder indirekt angesprochen werden?
3 Design für eine angenehme Beziehung zwischen Autor und Besucher
3.1 Sehen Sie sich die Distanz zwischen Autor und Besucherrolle an.
- Wie vertraulich oder sachlich sollte der Ton sein?
- Wie hierarchisch sollte ihre Beziehung sein?
3.2 Seien Sie höflich
- Wird Abwertung der Besucher vermieden?
- Wird der Besucher stattdessen an allen Stellen mit Höflichkeit behandelt?
- Höflichkeit und Respekt gegenüber Besuchern zeigt sich auch durch Transparenz und professionelle Gestaltung der Website.
3.3 Humor kann zum Erfolg einer Website beitragen: " Wenn du den gleichen Sinn für Humor hast wie ich, denke ich, dass du cool bist."
- Wird der Humor übertrieben?
- Ist er witzig für die Zielgruppe?
- Ist er angemessen platziert (inhaltlicher Kontext, Wartezeiten beim Download, separater Teil der Website ...)?
- Ist er nicht beleidigend?
- Sind die Witze kurz?
- Werden sie hin und wieder ausgetauscht?
[Update: 01. Februar 2009 -
Prof. Ursula Schulz, HAW Hamburg, Department Information]